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Helmkauf

Style, Schutz und Komfort

Oder: die qual der Wahl beim Helmkauf

Der Helm ist sicherlich DAS Modeelement für den richtigen Bikerstyle. Das liegt natürlich zum einen daran, dass hierzulande Helmpflicht herrscht. Aber auch daran, dass es mittlerweile für jedes Bike und jeden Stil den richtigen Kopfschutz gibt. Die Hersteller werden nicht müde, jedes Jahr neue Modelle, neue Farben, neue Linien zu präsentieren. Zwar frage ich mich manchmal, wer diese Helme alle kaufen soll, jeder Motorradfahrer besitzt ja zwangsweises schon mindestens einen. Aber offensichtlich ist das kein Hindernis, Design immer wieder neu zu erfinden. Und das ist auch gut so, denn für jeden neuen Cafe Racer Umbau, jeden Scrambler, Bobber und jedes Custom Bike, das in einer Werkstatt entsteht, muss auch ein passender Motorradfahrer bereitstehen und das geht natürlich nur, wenn der modische Auftritt zum Eigenbau passt. 

 

 


Die richtige Größe

 

Doch welcher Helm passt denn nun zu welchem Bike? Und vor allem, welcher Helm passt auf welchen Kopf? Jeder Hersteller bzw. jede Helmlinie verwendet unterschiedliche Schalen und Polsterungen was zur Folge hat, dass nicht jeder Helm ideal auf jeden Kopf passt. Helme können an Ohren, Stirn und sogar an der Schädeldecke drücken. Oder natürlich auch viel zu locker sitzen. Beides ist schlecht. Von Ersterem bekommt man Kopfweh und Letzteres schützt beim Sturz nicht optimal. Eine gründliche Anprobe ist deshalb beim Helmkauf unbedingt Pflicht, wenn man die Kaufentscheidung nicht nach der ersten Ausfahrt bereuen will, denn dann ist es für eine Rückgabe meist zu spät. Manche Händler bieten aber auch eine Probefahrt unmittelbar nach Kauf an, damit man den Helm auf der Straße unter Realbedingungen testen kann.

 

Test 1:

 

Bei der Anprobe sollte man zunächst testen, ob der Helm zu groß ist. Dazu hält man ihn mit beiden Händen seitlich fest und versucht, den Kopf im Helm nach links und rechts zu drehen. Eine minimale Bewegung darf möglich sein, mehr aber auch nicht. Hat man das Gefühl, dass sich die Kopfhaut an der Stirn mitbewegt, sitzt der Helm meistens gerade richtig. 

 

Test 2: 

 

Der nächste Test: beide Hände flach vorne auf das Visier legen und drücken. Stößt die Nase an's Visier, ist die Helmform unter Umständen nicht geeignet bzw. der Helm zu klein. 

 

Test 3:

 

Zu guter Letzt legt man eine Hand an den Hinterkopf und drückt den Helm möglichst weit nach vorne. Nun sollte in den Spalt zwischen Helm und Stirn der kleine Finger gerade so reinpassen. Nimmt man nun die Hand vom Hinterkopf, sollte der Finger gut "eingequetscht" werden. Passt der Finger nicht in den Zwischenraum, würde der Helm auf Dauer zu viel Druck auf die Stirn ausüben. Die Folge: Kopfweh. Hat der Finger zu viel Spiel, ist der Helm zu groß. 

 

Test 4: 

 

Auf keinen Fall sollte es möglich sein, den Helm bei geschlossenem und justiertem Kinnriemen über den Kopf zu ziehen. Ebenso sollte der Kinnriemen weder scheuern, noch am Kehlkopf drücken oder gar die Atmung behindern. 

 

Ein Helm kann zu groß oder zu klein sein. Manchmal ist aber einfach die Passform nicht die richtige, dann sollte man sich nach einem anderen Modell umsehen. Manche Hersteller bieten separat erhältliche Wechselpolster an. Damit kann beispielsweise der Backenbereich individuell gepolstert werden. Wenn man nur mal kurz auf Caféfahrt geht, sind Druckstellen womöglich nicht so tragisch, bei längeren Touren können sie allerdings äußerst unangenehm werden. Brillenträger sollten prüfen, ob der Helm Aussparungen für die Bügel hat. Bei modernen Helmen ist das oft der Fall, da viele schon für Freisprecheinrichtungen vorbereitet sind und dazu mehr Platz am Ohr lassen. 

 

Wer sich unsicher ist, ob der Helm doch zu eng ist, sollte sich vor der ersten Probefahrt ein paar Stunden mit dem Helm vor den Fernseher setzen. Nach ein oder zwei Spielfilmen wird sich zeigen, ob Druckstellen auftreten oder nicht. Ist der Helm neu und unbenutzt, kann man ihn meist problemlos umtauschen oder zurückgeben. 

 

Wer seinen Helm im Laden kauft statt im Internet kann sich zudem vom fachkundigen Verkäufer beraten lassen. Dieser weiß meistens, worauf zu achten ist und kann Tips für die richtige Wahl geben. Ist man erstmal dafür sensibilisiert, wie ein Helm passen muss wird man jedenfalls ziemlich erstaunt sein, wie viele Helme völlig falsch auf dem Kopf sitzen und sich dann umso mehr freuen, wenn die passende "Murmel" gefunden ist. 

 

Helm zu klein

 

# Es kann zu Druckstellen kommen, die Folge: 

 

# Kopfweh 

 

# Schmerzende Ohren

 

# Werden Backen und Nase zusammengedrückt, bekommt man auf Dauer schlechter Luft

 

# Kein optimaler Schutz bei einem Sturz

 

Helm zu groß

 

# Der Helm kann beim Schulterblick verrutschen und das Sichtfeld blockieren

 

# Je nach Fahrhaltung kann der Helm in den Nacken rutschen und so ebenfalls das Sichtfeld verkleinern

 

# Ein Zurechtrutschen des Helms während der Fahrt lenkt unnötig ab

 

# Kein optimaler Schutz bei einem Sturz

 

 


Style oder Komfort?

 

Aufgrund der Vielzahl an Herstellern und Modellen wird die Helmauswahl heute deutlich erschwert, denn neben der  Größe müssen ja auch Form und Farbe in's Gesamtbild passen. Das ist natürlich Geschmacksache aber auch eine Frage des Komforts.

 

Jethelmen brauchen meist einen zusätzlichen Augenschutz in Form von Bubble-Visier, Helmbrille oder Sonnenbrille. Das Bubble-Visier macht irgendwie den Jethelm-Effekt zunichte, Helmbrillen dichten oft nicht richtig ab, sodass ein unangenehmer Luftzug entsteht und Sonnenbrillen sind ab einer gewissen Geschwindigkeit einfach total unnütz. Das sind zumindest meine Erfahrungen... 

 

Relativ neu in der Motorrad-Modeszene sind Integralhelme ohne Visier, entweder mit klassischer Helmform oder als Crossversion, mit vorgezogenem Kinn. Mir gefällt diese Form außerordentlich gut. Leider hat man das selbe Problem wie auch bei den Jethelmen: wer Wind und Insekten aus den Augen fernhalten will, braucht eine Brille oder ein Visier. 

 

Bleibt noch der klassische Vollvisierhelm. Diese haben oft allerlei Extras: Sonnenblende, Lüftungsklappen oder klappbares Kinnteil. Auch hier haben die Hersteller mittlerweile begriffen, dass nicht jedes Motorrad ein Joghurtbecher aus Fernost ist und bieten Designs an, die dem Caferacer-Look nicht völlig zuwider laufen. Wer auf Flexibilität und Komfort steht, ist mit so einem Helm wahrscheinlich am besten beraten. 

 

Aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden. Und schlimmstenfalls investiert man einfach in zwei Helme, dann ist man bestimmt für jeden Anlass optimal (aus)gerüstet. 

 

In diesem Sinne: Ride on!

 

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